Green-Controlling oder auch Grünes Controlling kann in zweierlei Hinsicht verstanden werden. Zum einen sind das klassische Berechnungen der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit, dazu deren Planungen und Vorschauen sowie das entsprechende Berichtswesen. Hier unterscheidet sich Green-Controlling im Grunde nicht wesentlich vom klassischen Controlling. Bedeutendster Unterschied ist, dass mit den Maßnahmen als Ergebnis oft ein Marketingeffekt beabsichtigt ist. Dieser ist zum Teil stark verzögert und lässt sich wie alle Auswirkungen des Marketings nur schwer messen. Auch die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen ökologischer Nachhaltigkeitsmaßnahmen können stark verzögert sein. Bei üblichen Kalkulationszinssätzen werden viele Maßnahmen dadurch nicht wirtschaftlich sein, es sei denn man kalkuliert vermiedene Risikokosten mit ein, die im Einzelfall bei entsprechend hoher Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung nicht unbeachtlich sein müssen.

Green-Controlling kann aber auch als Controlling mit anderen (grünen) Rechengrößen verstanden werden. Das ist vor allem das Kohlendioxyd dessen Emissionen bzw. Vermeidung in den Unternehmensprozessen nachverfolgt werden. CO2-Bilanzen werden beispielsweise bei BASF oder Deutsche Post DHL aufgestellt. Das „carbon accounting“ ermittelt auch Corporate Carbon Footprints (CCF). Die Zertifizierungsindustrie hat die Bestätigung der Carbon Footprints als neues Geschäftsfeld entdeckt. Die betreffenden Normen sind das „Greenhouse Gas Protocol (GHG), Corporate Accounting and Reporting Standard“ und „ISO 14064(1)“. Diese Aufstellungen haben aber eher einen reinen Berichtscharakter. Auch liegt die Verantwortung für dieses Thema oft nicht im Controlling sondern bei den Marketing-, Strategie- oder Organisationsabteilungen. Auch wenn der Begriff-Green Controlling in diesem Zusammenhang genannt wird, ist fraglich inwiefern dieser Bereich tatsächlich zum Controlling gehört.

Eine Studie zum Green-Controlling wurde unter dem Titel „Green-Controlling – eine (neue) Herausforderung für den Controller?” vom internationalen Controller Verein e.V. (ICV) 2011 vorgestellt. Die kommt zum Schluss, dass das Thema in der Theorie zwar schon seit langem behandelt, aber in der Praxis kaum angewendet wird, obwohl sich die Controller hier gern mehr engagieren würden. Auch auf das Controlling spezialisierte Beratungsunternehmen wie die Horváth & Partners haben das Thema für sich erkannt. Da passt es gut, dass die Péter Horváth-Stiftung zusammen mit dem ICV seit 2011 den Green Controlling Preis verleihen. Der erste Preisträger war die Deutsche Post DHL mit ihrem Corporate Accounting & Controlling.