Kalkulatorische Zinsen  werden auch als Kapitalkosten oder Zinskosten bezeichnet und gehören zu den Kalkulatorischen Kosten. Sie sind in der Kosten- und Leistungsrechnung die Kosten, die ein Unternehmen erwirtschaften muss, um das eingesetzte Eigenkapital und Fremdkapital zu finanzieren bzw. adäquat zu verzinsen. Als Basis für die Ermittlung dient oft das CAPM (Capital Asset Pricing Model). Nach Abzug der Kapitalkosten vom Ergebnis verbleibt ein so genannter Residualgewinn (Übergewinn). Dies ist der vom Unternehmen über die Kapitalmarktrendite hinaus erwirtschaftete Mehrwert, der als Economic Value Added (EVA) oder auch als Geschäftswertbeitrag (GWB) bezeichnet wird.

Kapitalkosten = (Eigenkapitalzinssatz + Fremdkapitalzinssatz) x Betriebsnotwendiges Kapital

Die kalkulatorischen Eigenkapitalzinsen (Eigenkapitalkosten) sind Zusatzkosten, da es keine entsprechende Aufwandsart gibt. Sie sind das Kostenäquivalent für den Verzinsungsanspruch der Eigenkapitalgeber (Unternehmer, Gesellschafter oder Aktionär) auf das Eigenkapital. Sie werden auf Basis des Gewinns vergleichbarer Unternehmen berechnet und stellen einen Mindestgewinn dar, der erwirtschaftet werden soll.

Die kalkulatorischen Fremdkapitalkosten (Fremdkapitalkosten) ersetzen den Zinsaufwand und sind daher Anderskosten. Unabhängig von der tatsächlichen Finanzierungsstruktur und kurzfristigen Zinsänderungen stellen sie die Kosten für das betriebsnotwendige Fremdkapital dar.

Kalkulatorischer Eigenkapitalzins

Der Eigenkapitalzins(-satz) setzt sich aus einem risikolosem Zins und einem Risikozuschlag (Risikoprämie) zusammen. Der risikolose Zins ist die Verzinsung die am Kapitalmarkt für eine risikolose Anlage gezahlt wird. Als risikolos gelten, zumindest in Deutschland, Staatsanleihen. Es gibt es unterschiedliche Vorstellungen welche Laufzeit zu wählen ist. So kann zu Beispiel die von der Deutschen Bundesbank veröffentlichte Umlaufsrendite deutscher Bundesanleihen herangezogen werden.

Dazu kommt ein Aufschlag für das Risiko das der Anlageform entspricht. Der Risikozuschlag kann über das CAPM (Capital Asset Pricing Model) aus den Renditen vergleichbarer börsennotierter Unternehmen, der „Peer-Group“ errechnet werden. Wenn das nicht möglich ist, können die Gewinne vergleichbarer nicht börsennotierter Unternehmen als Basis dienen. Die Daten der bekommt man aus den im Unternehmensregister veröffentlichten Jahresabschlüsse.

Kalkulatorischer Fremdkapitalzins

Als Grundlage für den kalkulatorischen Fremdkapitalzinssatz kann ein Zinssatz für eine idealisierte Fremdfinanzierung oder die Rendite für entsprechende Unternehmensanleihen gewählt werden. Eine gute Datengrundlage bilden die Veröffentlichungen auf der Internetseite der Deutschen Bundesbank zu Kreditzinsen.

Zu verzinsendes Kapital

Zur Ermittlung des zu verzinsenden Kapitals werden vom betriebsnotwendigen Vermögen unverzinslich zur Verfügung gestelltes Kapital wie Anzahlungen der Kunden und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen abgezogen (Abzugskapital).

Das Betriebsnotwendige Vermögen setzt sich aus Umlaufvermögen zu Durchschnittswerten und Anlagevermögen zu kalkulatorischen Restwerten (also mit stillen Reserven) zusammen von denen nicht betriebsnotwendige Vermögensteile abgezogen werden.

durchschnittliches bilanzielles Umlaufvermögen
+ Umlaufvermögen zu kalkulatorischen Restwerten
–  nicht betriebsnotwendiges Ve
rmögen                       
= betriebsnotwendiges Vermögen
–  Abzugskapital                                                                  
= betriebsnotwendiges Kapital

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